J70 Gottes Wesen: Herrlichkeit
- Tamara Schüppel
- vor 1 Tag
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Heute wollen wir uns erneut mit diesem Bibeltext beschäftigen, nun jedoch mit dem Schwerpunkt „Herrlichkeit“. Der Blick auf Gottes Herrlichkeit half Jesus, seinen Weg durch Leid und tiefste Erniedrigung zu gehen, ohne sich irritieren zu lassen. Jesus betete:
Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir!
Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllte. Aber jetzt komme ich zu dir und rede dies noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.
Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.
Ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins sind, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und sie ebenso geliebt hast, wie du mich geliebt hast.
Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor Grundlegung der Welt. Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und ich in ihnen bin.
Die Bibel, Johannes-Evangelium 17,9-26 (Einheitsübersetzung 2016)
Was genau meint Jesus, wenn er von Herrlichkeit spricht? Offensichtlich geht es um verschiedene Facetten, die alle zusammen Herrlichkeit ausmachen. Ich möchte drei Punkte anreißen:
Herrlichkeit bezeichnet die Würde und Vortrefflichkeit des inneren Wesens einer Person. Schon in Johannes 1,14 wird uns Jesus als Gott vorgestellt, dessen Herrlichkeit für Menschen erkennbar ist: Gnade und Wahrheit sind dort als Kennzeichen dieser Herrlichkeit genannt. Und nun lesen wir in Jo-hannes 17,22-23, dass Gottes Herrlichkeit durch seine geheiligten Menschen strahlen soll, damit alle den liebenden Gott erkennen können. Gottes Herrlichkeit äußert sich offensichtlich auch durch Liebe und Freude (Johannes 17,13).
Herrlichkeit beinhaltet göttliche Gemeinschaft. Jesus drückt es hier so aus, dass er selbst in den Seinen, in den Heiligen, verherrlicht ist. (Wer heilig ist und was dies bedeutet, beschäftigte uns in Etappe ►J69) Herrlichkeit ist offensichtlich untrennbar mit Gemeinschaft verbunden. Jesus bezeichnet seine Gemeinschaft mit dem Vater ebenso als Herrlichkeit wie seine Gemeinschaft mit den Heiligen sowie auch die Gemeinschaft der Heiligen untereinander (Johannes 17,10+22). Die vollkommene Herrlichkeit, die Jesus bereits vor Erschaffung des Universums bei Gott hatte, wird durch Jesus auf die Menschen ausgeweitet. Durch seinen stellvertretenden Tod am Kreuz rettete er uns vor dem ewigen Verderben, das jeden Menschen gerechterweise erwartet, und lässt uns an Gottes Herrlichkeit teilhaben: In der verhüllten Form schon hier auf Erden, voll sichtbar dann mit Gott in Ewigkeit. Herrlichkeit ist untrennbar mit Gott selbst verbunden.
Herrlichkeit kann sichtbar oder für Menschen verborgen sein. Die Herrlichkeit von Jesus, die er ursprünglich bei Gott hatte, war bei seiner Menschwerdung teilweise verborgen. Kein Mensch kann derzeit Gottes vollkommene Herrlichkeit ertragen, denn diese beinhaltet auch Heiligkeit und Gerechtigkeit. Deshalb bekommen wir zunächst nur einen undeutlichen, rätselhaften Eindruck von Gottes Herrlichkeit; aber Jesus zeigt uns Gott, soweit wir es derzeit ertragen (vgl. Johannes 1,18; 1.Korinther 13,12). Jeder kann Gottes Herrlichkeit am inneren Wesen von Jesus erkennen sowie auch an den von ihm geheiligten Menschen. Zudem ist sie erkennbar an dem, was Gott gestaltet. Deshalb können wir Gott in der Schöpfung ausfindig machen. Gleichzeitig ist es möglich, die Augen bewusst davor zu verschließen. „Nicht-sehen-wollen“ hat ewige Folgen: Wer nicht sehen will, kann zunehmend weniger erkennen und bewegt sich in Richtung Gottesferne (vgl. Römer 1,18-21; 1.Korinther 15,41-46).
Gottes sichtbare Herrlichkeit hat mit Licht und Glanz, mit Unsterblichkeit und Heil, mit unvorstellbarer Schönheit und Ehre zu tun (vgl. 1.Timotheus 6,15-16, Offenbarung 21-22).
Es lohnt sich, intensiver über die vielen Facetten von Gottes Herrlichkeit nachzudenken. Denn das hat praktische Auswirkungen auf unser Leben und unser Umfeld: Ich will hin zu Gott, zu seinem ewigen, heilmachenden Licht und seiner wohltuenden Gemeinschaft. Während ich bewusst in Gottes Nähe lebe, strahlt seine Herrlichkeit durch mich und macht andere Menschen auf den liebenden Gott aufmerksam.
Tamara Schüppel
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